Geza Stephan Fischer (30.05.1952 – 13.08.2025)

(20.01.2026) Mit großer Bestürzung haben wir leider erst jetzt erfahren, dass unser guter Freund und langjähriger Mitstreiter, der Musikproduzent und Musiker Stephan Fischer, im Sommer letzten Jahres verstorben ist. Von seiner langjährigen Krankheit wussten wir, aber nun vom Tod dieses tollen Menschen zu erfahren, macht uns tief traurig und nachdenklich.

Weil wir uns in den letzten Jahren leider nicht mehr so oft persönlich treffen konnten, haben wir uns umso mehr gefreut, dass Stephan uns anlässlich unseres Abschlusskonzerts unserer Deutschland-Tour 2024 in der Columbiahalle Berlin besuchte. Es war toll, ihm in unserem aktuellen musikalischen Umfeld endlich wieder zu begegnen und ihn auch allen Anwesenden als wichtigen Wegbegleiter in der Geschichte unserer Band vorzustellen. Ihn damals zum Konzert einzuladen lag uns sehr am Herzen, auch wenn wir natürlich noch keine Ahnung davon haben konnten, dass dieses Treffen unser letztes mit ihm sein sollte, was es aus heutiger Sicht noch wertvoller macht. Er schien einen wirklich schönen Abend bei uns gehabt zu haben, auch wenn ihm der Konzertbesuch durch den Rollstuhl, auf den er inzwischen angewiesen war, vielleicht eher schwerfiel.

Ein besonderer Moment dieses Abends war sicher unsere Live-Version von „Suspicious Love“, die sich nur wenig von der Version unterscheidet, die Stephan Fischer 1993 für uns als Remix produzierte. Damals arbeitete er auch oft mit dem Produzenten Gareth Jones zusammen, der deshalb ebenfalls einen der damaligen Remixe anfertigte, genauso wie der Techno-Produzent und Gründer der Loveparade Dr. Motte, der ebenfalls mit Stephan an Projekten arbeitete. Wir waren auf jeden Fall so von Stephan begeistert, dass er anschließend auch gleich noch unsere Single-Version von „Close (We Stroke The Flames)“ anfertigte. Während dieser Zeit arbeiteten auch Heiko und Stephan erstmals als Team zusammen in Berlin, wobei unter anderem der Track „In Cold Blood“ entstand.

Das war der Beginn einer langen Zusammenarbeit, die viele Jahre anhalten sollte und wahrscheinlich in der Produktion unseres Albums „Spice Crackers“ ihren Höhepunkt fand. Inzwischen hatten wir unser Studio in der Stresemannstraße in Hamburg eingerichtet und arbeiteten dort zusammen mit Stephan, Ingo Ito und Julian Boyd intensiv an unseren Songs. Stephan war neben seiner Tätigkeit als Co-Produzent oft auch für das Kochen zuständig, was er beides mit seinem für ihn so typischen Enthusiasmus und viel Freude ausübte. Ein kleines Tondokument dieser beiden Bereiche ist der Album-Track „Travelling Without Moving“, in dem viele Küchengeräusche zu hören sind. Diese Aufnahme stammt tatsächlich aus unserer damaligen Studio-Küche, in der Stephan und Marcus gerade ein weiteres Essen zubereiteten.

Unvergessen ist auch seine Idee mit den rhythmisierten Chor-Samples auf dem Track „Ronda’s Trigger“ oder seine wilden Remixe auf der „Bad News“-Veröffentlichung, gespickt mit Zitaten und dem Spirit des damals aktuellen Kinofilms „Pulp Fiction“, den wir uns nach langen und intensiven Tagen im Studio mehrfach gemeinsam in den Hamburger Kinos ansahen und feierten. Sein Ausspruch „Ich glaube, wir brauchen mehr Pulp Fiction“ wurde nicht selten während unserer Arbeit am Album in die Runde geworfen.

Aus dieser Zeit gäbe es wahnsinnig viele Geschichten, gerade auch mit Beteiligung von Stephan, zu erzählen, und es betrübt uns sehr, dass er leider nicht mehr unsere „30th Anniversary Limited Edition“ des Albums in den Händen halten konnte, da diese erst Ende des Jahres erschien. Er wäre sicher stolz auf diese neue Edition gewesen, auch weil diese intensive Zeit von damals bei unseren gelegentlichen Treffen über die Jahre immer wieder Thema war.

Aber auch in späteren Jahren gab es immer wieder besondere Momente zwischen uns. Als unsere Band damals die Absage unseres Labels „Virgin Music“ für ein ursprünglich geplantes Album verdauen musste, trafen wir uns oft bei Stephan in seiner Wohnung in der Nassauischen Straße in Berlin, um dort Aufnahmen für unser nächstes Album zu machen, das später „Sensor“ heißen sollte. Demo-Gesänge und viele Ideen für Sounds und Arrangements, zum Beispiel für „You Turn“ oder „Me And You“, entstanden sozusagen in Stephans Wohnzimmer, oft auch mit der Unterstützung seines langjährigen Tontechnikers Marco Birkner.

Aus der engen Zusammenarbeit wurde über die Jahre Freundschaft, vor allem auch zwischen Stephan und Heiko, die sich neben der Musik oft stundenlang über die Themen Fußball und Politik austauschten. Ein gemeinsames, aber leider aus Zeitgründen nie vollendetes Album der beiden sollte das Projekt „Auto“ werden – eine Sammlung von Demos und Ideen, in die wir auch heute noch gerne hineinhören.

Dass Stephan nun nicht mehr unter uns ist, macht uns sehr traurig, aber gleichzeitig sind wir sehr glücklich darüber, dass wir ihn kennen durften und einen Teil seines Weges mit ihm gehen konnten.

Stephan – wir werden dich nie vergessen!

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Irena, seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Camouflage
Heiko, Marcus & Oli
Stuttgart, 20. Januar 2026